Ich möchte in meiner Arbeit nicht emphatisch sein.

Mir ist klar, dass das natürlich zunächst merkwürdig klingt, denn wenn Menschen hören, dass ich mit Trauer, Abschieden und Verlusten arbeite, erwarten viele genau das von mir:

Empathie.

Und tatsächlich hätte ich vor einigen Jahren wahrscheinlich dasselbe gesagt.

Ich hätte beschrieben, dass ich mich gut in andere Menschen hineinversetzen kann. Dass ich Stimmungen wahrnehme und dass ich mich sehr von den Geschichten anderer berühren lasse. Dem ist auch nach wie vor so – und trotzdem sehe ich das heute differenzierter, denn eines der wichtigsten Learnings meiner Ausbildungen war für mich die Erkenntnis:

Empathie und Mitgefühl sind nicht dasselbe – und dass Mitgefühl für meine Arbeit oft viel hilfreicher ist als Empathie.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Emphatie und Mitgefühl – was ist der Unterschied?
  2. Mein früheres Missverständnis
  3. Im Sturm stehen können
  4. Mitgefühl bedeutet etwas anderes
  5. Warum das gerade bei Verluten so wichtig ist
  6. Mein wichtigstes Learning

 

Emphatie und Mitgefühl – was ist der Unterschied?

Das Wort Empathie stammt ursprünglich aus dem Altgriechischen und setzt sich aus zwei Teilen zusammen.

en-/em– bedeutet  „in“, „an“ oder „auf“. Das Wort pathos bedeutet „Leid“ „Gefühl“ oder auch „Unglück“ – also zusammen so etwas, wie „in das Leid  gehen.“ Oder anders formuliert wird es auch als der Zustand beschrieben von  „Ich fühle, was Du fühlst.“

Wenn ein Mensch vor mir sitzt und verzweifelt ist, spüre ich diese Verzweiflung. Wenn jemand traurig ist, werde ich traurig. Wenn jemand Angst hat, spüre ich die Angst.

Das klingt zunächst sehr schön – doch genau darin liegt auch ein Problem.

Neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass bei Empathie ähnliche emotionale Bereiche im Gehirn aktiviert werden wie bei eigenem Leid. Wir erleben einen Teil der Gefühle des anderen gewissermaßen selbst.

Das kann verbinden. Es kann aber auch sehr erschöpfen.

Wer ständig den Schmerz anderer Menschen übernimmt, trägt irgendwann nicht nur die eigenen Gefühle, sondern zusätzlich die vieler anderer Menschen.

 

Mein früheres Missverständnis

Lange Zeit dachte ich, genau das wäre meine Stärke. Den Satz „Du bist so empathisch“ habe ich in meinem Leben tatsächlich des Öfteren gehört und das habe ich immer als Kompliment empfunden.

Heute aber weiß ich, dass das im privaten Umfeld nach wie vor eine schöne Eigenschaft ist, im beruflichen Kontext aber etwas anderes zählt, denn wenn ich dort die Gefühle meiner Klientinnen und Klienten vollständig übernehmen würde, könnte ich sie nicht gut begleiten.

Wir würden beide im selben „Meer“ schwimmen – und genau das braucht in dieser Situation niemand.

 

Im Sturm stehen können 

Stell Dir vor, jemand sitzt vor mir und erzählt von einer Trennung, einer schweren Diagnose, einer Scheidung oder dem Tod eines geliebten Menschen.

Natürlich berührt mich das. Natürlich lässt mich nichts daran kalt. Aber meine Aufgabe ist es nicht, gemeinsam mit diesem Menschen darin unterzugehen. Meine Aufgabe ist es, handlungsfähig zu bleiben, ruhig zu bleiben, Orientierung zu geben und einen sicheren Raum zu halten.

Oder um es anders zu sagen:

In der Trauerarbeit braucht es jemanden, der neben dem Sturm stehen kann, ohne selbst vom Wind fortgetragen zu werden.

 

Mitgefühl bedeutet etwas anderes

Der Begriff Mitgefühl führt dabei ein wenig in die Irre.

Denn Mitgefühl bedeutet nicht: „Ich fühle dasselbe wie Du,“ sondern eher „Ich sehe Deinen Schmerz. Ich nehme ihn ernst. Und ich bleibe an Deiner Seite.“

Die Forschung beschreibt Mitgefühl als eine Haltung von Fürsorge, Wärme und Verbundenheit. Man erkennt das Leid eines anderen Menschen, aber man verliert sich nicht darin.

Der amerikanische Psychologe Paul Bloom bringt es auf den Punkt:

„Empathie heißt: Ich fühle, was ein anderer Mensch fühlt. Mitgefühl bedeutet: Ich kümmere mich um den anderen.“

Dieser Unterschied hat meine Arbeit verändert.

 

Warum das gerade bei Verlusten so wichtig ist

Menschen in Trauer brauchen selten jemanden, der genauso leidet wie sie. Sie brauchen jemanden, der ihre Gefühle aushält. Der nicht sofort Lösungen sucht, der nicht wegschaut und der nicht einfach nur sagt: „Das wird schon wieder“ oder: „Du musst einfach positiv denken.“ Sondern jemanden, der wirklich bleiben kann, mit aushalten kann

Auch wenn die Traurigkeit groß ist, wenn Wut da ist und wenn Angst, Verzweiflung oder Hilflosigkeit auftauchen.

Mitgefühl bedeutet für mich deshalb: Ich gehe ein Stück des Weges mit. Aber ich trage nicht für den anderen nicht und ich trage auch ihn selbst nicht. Ich verliere mich dabei nicht selbst.

 

Mein wichtigstes Learning

Genau das ist mein größtes Learning aus den vergangenen Jahren.

Ich kann immer noch die empathische Frau sein, aber in meinem Beruf möchte ich vor allem die mitfühlende Begleiterin sein. Denn Menschen in Krisen brauchen keinen weiteren Menschen, der mit ihnen im Schmerz versinkt. Sie brauchen jemanden, der ihnen einen sicheren Platz anbietet, bis sie selbst wieder festen Boden unter den Füßen spüren können.

Genau das möchte ich mit LEBENSNARBEN sein. Kein Mensch, der Deinen Schmerz übernimmt, sondern ein Mensch, der ihn mit Dir gemeinsam aushält und ein Stück des Weges, den Du gehtst, an Deiner Seite ist.

 

P.S. Wenn Dich das gerade berührt und Du vielleicht genau an diesem Punkt stehst: Du musst das alles nicht alleine für Dich lösen. Mit Lebensnarben kann ich Dich unterstützen – schreib mir gerne.

P.P.S. Wenn Du mehr solchen Input zu Themen wie Verlust, Trauer und Abschied möchtest, dann ist mein Newsletter „Pflasterpost“ genau  das Richtige für Dich. Dort schreibe ich regelmäßig immer montags, alle zwei Wochen über Krisen, Verletzlichkeit, Trauer, über leise Verluste, seelische Narben, innere Prozesse und alles Dazwischen. Eben über all das, was tiefer geht und unter der Oberfläche liegt.

Regelmäßig unperfekt, aber regelmäßig ehrlich Es geht um Gedanken, die tiefer gehen, Perspektiven, die man nicht überall liest und Worte für das, was sonst keinen Namen hat. Dinge, die Dich in Deiner Situation ein bisschen begleiten können. Trag Dich hier ein und lies gerne mit.

 

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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