Beratung 1

„Warum beschäftigst Du Dich eigentlich ausgerechnet mit Trauer?“

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Die meisten vermuten, dass es den einen Schicksalsschlag gegeben haben muss, der mich zu diesem Beruf geführt hat. Aber so war es nicht.

Ja, auch ich habe in meinem Leben bereits einige Verluste erlebt. Menschen verloren, Träume beerdigt, Abschiede erlebt, Freundschaften losgelassen, Gesundheit eingebüßt, und Familiengeschichten getragen. Doch der eigentliche Grund, warum ich heute Menschen in ihrer Trauer begleite, liegt woanders.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. 20 Jahre Ausnahmezustand begleiten
  2. Noch gar nicht bereit für den nächsten Schritt
  3. Trauer lässt sich nicht überspringen
  4. Ein Ort, an dem Menschen nicht funktionieren müssen
  5. Systemischer Coach und Trauer- und Verlustbegleiterin
  6. Warum ich heute über Trauer jenseits von Tod und Sterben spreche
  7. Genau deshalb gibt es LEBENSNARBEN

 

20 Jahre lang Ausnahmezustände begleiten

Bevor ich Trauercoach wurde, war ich fast zwanzig Jahre als Referentin für Berufliche Bildung tätig. In dieser Zeit habe ich über tausend Gespräche mit Menschen geführt. Mit Menschen, deren Leben gerade völlig aus der Bahn geraten war, denn sie hatten ihren Arbeitsplatz verloren, konnten beispielsweise ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Oder kamen nach einem Burnout, nach einer Trennung oder nach einer Insolvenz. Nach einer langen Krankheit oder nach einem anderen Ereignis, das ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hatte.

Und eigentlich bestand meine Aufgabe vor allem darin, mit ihnen den nächsten beruflichen Schritt zu planen. Also Antworten auf die Fragen zu finden: Welche Weiterbildung passt? Wie geht es weiter? Welche Perspektive gibt es?

Doch genau das funktionierte erstaunlich oft nicht.

 

Noch gar nicht bereit für den nächsten Schritt

Denn damals konnte ich es noch gar nicht wirklich benennen, aber heute weiß ich, dass die Tatsache, dass diese Gespräche manchmal so völlig anders verlaufen sind als gedacht, nicht daran lag, dass die Menschen die in meine Beratung kamen unmotiviert, unkooperativ oder beratungsresistent waren. Ganz im Gegenteil. Aber was ich völlig unterschätzt habe, war die Tatsache, dass sie sich noch mitten in einem Trauerprozess befanden.

Sie standen unter Schock. Konnten gar nicht begreifen, was gerade passiert war. Schwankten zwischen Wut, Hoffnung, Verzweiflung und Nicht-Wahrhaben-Wollen. Sie mussten erst einmal wirklich verstehen, was da eigentlich passiert war und was sie wirklich verloren hatten.

Doch genau dafür gab es kaum Raum. Nicht bei den involvierten Behörden, nicht bei den Arbeitgebern, letztendlich auch nicht bei uns als Weiterbildungsinstitut und oft auch nicht einmal bei ihnen selbst. Denn die meisten glaubten: „Ich muss das jetzt einfach abschütteln.“ „Ich muss funktionieren.“ „Ich muss einfach weitermachen – andere schaffen das ja schließlich auch.“

 

Trauer lässt sich nicht überspringen

Je länger ich diese Gespräche führte, desto deutlicher wurde mir: Ich versuche hier Menschen in die Zukunft zu schicken, die innerlich noch in der Vergangenheit stehen. Wie soll jemand über eine berufliche Zukunft nachdenken, wenn er den Verlust seines bisherigen Lebens noch gar nicht verstanden hat? Wie soll jemand offen für Neues sein, wenn das Nervensystem noch versucht zu begreifen, was überhaupt passiert ist?

Heute weiß ich: Trauer ist dabei kein Hindernis auf dem Weg. Trauer ist der Weg.

 

Ein Ort, an dem Menschen nicht funktionieren müssen

Irgendwann merkte ich, dass ich genau diese Gespräche nicht mehr führen wollte, denn diese waren natürlich schon grundsätzlich richtig und wichtig, aber ich wollte den Schritt davor begleiten. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Menschen nicht sofort gefragt werden: „Wie geht es jetzt weiter?“, sondern zuerst einmal eine Antwort auf die Fragen „Was ist eigentlich gerade passiert?“ „Was hast Du wirklich verloren?“ und „Worum trauerst Du vor allem?“ gefunden werden darf.

 

Systemischer Coach und  Trauer- und Verlustbegleiterin

Auf der Suche nach Antworten absolvierte ich zunächst eine systemische Coachingausbildung, denn der systemische Ansatz und die damit verbundene Haltung hat mir oft einen guten Zugang zu den Menschen in meinen Beratungsgesprächen ermöglicht.

Später durfte ich selbst viele angehende Coaches ausbilden und interessanterweise landeten oft immer wieder genau die Gespräche bei mir, in denen es um Verluste ging, um Abschiede, um Krisen, um Menschen, deren Leben gerade aus den Fugen geraten war.

Irgendwann wusste ich deshalb: Ich möchte Trauer wirklich verstehen. Nicht nur innerhalb dessen, womit wir alle es immer nur hauptsächlich verbinden, nämlich nach einem Todesfall, sondern in all ihren Facetten. Deshalb absolvierte ich zusätzlich eine über ein Jahr dauernde Ausbildung zur zertifizierten Trauer- und Verlustbegleiterin.

 

Warum ich heute über Trauer jenseits von Tod und Sterben spreche

Die meisten Menschen verbinden Trauer immer noch ausschließlich mit dem Tod. Ich nicht. Ich sehe Trauer überall dort, wo etwas Wichtiges verloren geht. Nach einer Trennung, nach einer Kündigung oder nach einer schwerwiegenden Diagnose. Beim unerfüllten Kinderwunsch, schlimmen Geburtserlebnissen, nach einer Fehlgeburt oder aber auch einer gewollten Abtreibung. Beim Kontaktabbruch zu Famile oder Freunden. Nach beruflichen oder finanziellen Verlusten. Wenn die Kinder ausziehen und das „Empty Nest“ zuschlägt. Im Rahmen von „weißer Trauer“, also wenn die Eltern beispielsweise an Demenz erkranken. Oder wenn das Leben plötzlich aufgrund von anderen Ereignissen ganz anders aussieht als geplant.

All das sind Verluste.

Und all das wird und darf betrauert werden. Trauer als eine dem Menschen ureigenste Reaktion auf den Verlust von etwas, was Bedeutung in unserem Leben hatte. Ein Anpassungsprozess, den die Natur vorgesehen hat und den es wirklich zu fühlen und zu durchleben gilt.

 

Genau deshalb gibt es Lebensnarben

Heute begleite ich Menschen nicht dabei, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Ich begleite sie dabei, ihren Verlust überhaupt erst einmal zu verstehen, denn ich glaube, wir sprechen viel zu wenig über die stillen Verluste unseres Lebens.

Über die Abschiede, für die es keine Rituale gibt und über die Trauer, die niemand sieht. Über Lebensnarben halt.

Und genau deshalb gibt es Praxis Lebensnarben, denn es geht nicht darum den mit dem Verlust verbundenen, dauerhaften Schmerz wegzumachen. Das geht auch gar nicht, denn dieser wird bleiben – für immer und als Teil der Geschichte derjenigen, die ihn erlitten haben. Aber der akute Wundschmerz, der, der alles zerreißt oder immer wieder an den oft unpassendsten Stellen nässt und eitert, dieser darf vergehen, dieser soll heilen. Das Ziel ist die Narbe. Eine gut verheilte Narbe, mit der es sich gut leben lässt, die mit der Zeit immer mehr verblast und die man irgendwann sogar zwischendurch manchmal ganz vergisst, bis vielleicht „ein Wetterumschwung“ einen kurz wieder  daran erinnert.

Für mich ist das etwas ganz Wesentliches, denn trauern werden wir alle früher oder später und mehr oder weniger große Verluste erleiden auch. Doch nur manche dieser Narben heilen von selbst – andere brauchen jemanden, der eine Weile mit darauf schaut, die Narbe pflegt und gut versorgt, bis sie wirklich heilen kann. Und so ein jemand möchte auch ich gerne sein.

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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