Nicht jeder Verlust hat einen klaren Moment des Abschieds. Gerade bei den stillen, unsichtbaren Verlusten gibt es oft nicht das, was so wichtig ist beim Abschied nehmen: Kein letztes Gespräch, kein bewusster Übergang und eben kein gemeinsames Innehalten.

Diese Abschiede geschehen eher leise oder plötzlich und oft auch nur einseitig. Und genau das macht sie so schwer.

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Wenn etwas endet, was eigentlich nie enden sollte
  2. Warun diese Abschiede bsonders schmerzen
  3. Wenn Rituale fehlen
  4. Die innere Lücke
  5. Integration statt Abschluss
  6. Lebensnarben anerkennen
  7. Wenn Du Dich hier wiedererkennst

Wenn etwas endet, was eigentlich nie enden sollte

In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die sagen: „Ich hatte keine Chance mehr.“ Eine Beziehung wurde beendet, ohne dass es ein Gespräch gab. Eine Freundschaft brach ab, ohne wirkliche Klärung und ehrlichem Austausch. Der Kontakt zu einem Familienmitglied ist von einem Tag auf den anderen abgebrochen. Ein Lebensabschnitt ging zu Ende, ohne dass Zeit und Raum wäre um dabei mal innehalten und genau das bewusst betrauern zu können.

Bei diesen Verlusten geht es um  Trauer ohne Zeremonie (non death grief). Die Person ist nicht verschwunden, aber der Platz, den sie eingenommen hat, schon. Und genau das macht den Schmerz so verwirrend: Wie trauert man um eine Präsenz, die noch immer existiert?

Diese Art von Trauer, oft als „ambivalent“ beschrieben, wird selten anerkannt. Man kann um eine verstorbene Liebe trauern, ohne verurteilt zu werden, aber um einen verlorenen Freund? Die Schwester oder den Bruder? Plötzlich herrscht Stille. Man hört oft: „So schlimm ist es doch nicht“, während man selbst tiefen Schmerz empfindet, manchmal so intensiv wie als ob jemand gestorben wäre.

Der Kontakt ist weg, die Situation ist entschieden und zurück bleibt etwas Unfertiges.

Warum diese Abschiede besonders schmerzen

Abschiede sind ja auch nie nur einfach ein Ende von etwas, sondern meistens viel mehr.

Eine von The Cute zitierte Studie zeigt, dass Freundschafts- und familiäre Kontaktabbrüche dieselben Hirnareale aktivieren wie körperlicher Schmerz. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen „Mein Freund/Meine Schwester hat mich verlassen“ und „Ich habe mich verbrannt“. Der Schmerz ist buchstäblich bei beiden gleich spürbar. Und wer schon einmal eine tiefe Freundschaft erlebt hat, weiß, dass sich der Bruch wie ein kleines inneres Erdbeben anfühlen kann. Man verliert einen emotionalen Anker, eine Quelle der Freude, einen tröstenden Spiegel.

Solche Abschiede stehen oftmals auch symbolisch für eine Art Lebensübergang und läuten nicht selten eine völlig neue Lebensphase ein, Ein wirklich gelebter Abschied hilft, sich genau dessen bewusst zu werden und es verinnerlichen zu können. Wenn dieser Übergang aber fehlt, bleibt das Erlebte wie einfach irgendwie offen stehen. Gedanken kreisen, Gefühle finden keinen Ort, stattdessen nisten sich Schuld und Selbstzweifel ein.
Es bleiben Fragen offen, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen:

• Was habe ich falsch gemacht?
• Hätte ich etwas ändern können?
• Warum durfte ich nichts mehr sagen?

Wenn Rituale fehlen

Unsere Gesellschaft kennt Rituale für den Tod. Für andere Verluste gibt es sie kaum. Für Trennungen, Freundschaftsabbrüche, Jobverluste, familiäre Kontaktabbrüche oder das Ende einer Lebensphase fehlt oft der Rahmen, der sagt: Das hier ist wichtig. Das darf wehtun.

So bleiben viele mit ihrer Trauer einfach allein.

Die innere Lücke

Abschiede ohne Abschied hinterlassen häufig eine innere Lücke. Diese wird nicht selten gefüllt mit Schuld, Wut oder Ohnmacht. Manche erstarren innerlich, andere kämpfen gegen das Unabänderliche an. Beides kostet Kraft. Was fehlt, ist Würdigung und ein liebevolles darauf Zurückblicken. Nicht auf das Ende an sich, sondern auf das, was gewesen ist und was einem daran viel bedeutet hat.

Integration statt Abschluss

Nicht jeder Abschied lässt sich dabei deshalb auch tatsächlich irgendwie „abschließen“. Das ist so, und das ist eine schmerzhafte Wahrheit. Aber er lässt sich zumindest gut und ohne immer und immer wieder Schmerzen zu verursachen, im Leben integrieren.

Integration bedeutet dabei, dem Unfertigen einen Platz im eigenen Leben zu geben. Es bedeutet, anzuerkennen, dass etwas offen geblieben ist – und trotzdem weiterzumachen und weiterzugehen. Und das eben nicht mit der Haltung dies trotz des Schmerzes zu tun, sondern ganz bewusst mit ihm. 

Lebensnarben anerkennen

Abschiede ohne Abschied hinterlassen oft Lebensnarben. Sie erinnern daran, dass wir keine Kontrolle über alles haben. Sie erzählen davon, dass wir verbunden waren und dass etwas Bedeutung hatte. In meiner Arbeit begleite ich Menschen genau in diesen offenen Übergängen. Nicht, um noch irgendwelche Antworten auf etwas zu liefern, worauf es keine Antworten gibt, sondern um gemeinsam einen inneren Ort zu finden für das, was keinen äußeren Abschluss bekommen hat.

Wenn Du Dich hier wiedererkennst

Wenn Du einen Abschied erlebt hast, der sich nicht rund anfühlt, dann bist Du damit nicht allein. Und vielleicht braucht es auch gar keinen nachgeholten Abschluss, aber ganz sicher braucht es Würdigung. Und manchmal braucht es ein Gegenüber, das bleibt, wo andere gegangen sind.

Wenn Dich diese Gedanken hier berühren und Du darüber hinaus auch diese Gefühle kennst, für die im Alltag oft kein Platz ist, dann ist mein Newsletter Pflasterpost“ genau richtig für Dich. Denn genau darüber schreibe ich regelmäßig immer montags, alle zwei Wochen: Über Krisen, Verletzlichkeit, Trauer, über leise Verluste, seelische Narben, innere Prozesse und alles Dazwischen. Eben über all das, was unter der Oberfläche liegt.

Nicht regelmäßig perfekt, aber regelmäßig ehrlich Es geht um Gedanken, die tiefer gehen, Perspektiven, die man nicht überall liest und Worte für das, was sonst keinen Namen hat.

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