Beratung 4

Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn als Angestellte fast 20 Jahre lang Menschen im beruflichen Kontext begleitet. Menschen, die gerade etwas wichtiges verloren hatten: Ihren Job. Und damit auch ihre Sicherheit, ihr gewohntes Umfeld und oft auch ein Stück ihrer Identität. Da waren Kündigungen, Insolvenzen und völlig unerwartete, plötzliche Brüche.

Für die Menschen, mit denen ich es zu tun hatte, hatten diese Entwicklungen in ihrem Leben immer weitreichende Folgen, denn sowohl finanzielle Sorgen, Existenzängste, Spannungen in der Partnerschaft und ein insgesamt großer Selbstwertverlust waren in diesem Zusammenhang ständig Thema in unseren Beratungsgesprächen. Es ging um ein Gefühl von totalem Kontrollverlust.

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Meine berufliche Aufgabe damals
  2. Wenn der nächste Schritt noch zu früh ist
  3. Die Gespräche, die eigentlich gebraucht wurden
  4. Der Wendepunkt
  5. Wie Lebensnarben entstanden ist

Meine berufliche Aufgabe damals

Meine Aufgabe damals war klar: Stellvertretend für meine Kunden sollte ich nach vorne schauen, Ideen für die nächste Weiterbildung entwickeln, die nächste Bewerbung vorbereiten und eine Vison für den nächsten Karriereschritt entwickeln. Ich sollte sie motivieren, in Bewegung bringen und ihnen hilfreiche, neue Perspektiven aufzeigen. Und auf dem Papier, in der Theorie und bei einzelnen Kunden hat das auch alles Sinn gemacht.

Und trotzdem ist mir etwas aufgefallen – immer wieder. Ich habe in den gewünschten Beratungsgesprächen viel gesprochen und neue Impulse und Möglichkeiten aufgezeigt und trotzdem hatte ich in vielen dieser Gesprächen sehr oft das Gefühl: „Das was Du hier erzählst kommt gar nicht an“. So, als würde es bei meinem Gegenüber zum einen Ohr rein – und zum anderen wieder rausgehen.

Heute weiß ich: Sie konnten mich auch gar nicht hören. Sie konnten mich nicht hören, weil sie gedanklich und mit ihren Gefühlen noch ganz woanders waren. Ihr Nervensystem war noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Sie waren noch im Schock, in der Überforderung und im Realisieren dessen, was da gerade eigentlich passiert war.

Ihr System war noch dabei zu begreifen und sich die Frage zu beantworten „Was bedeutet das hier alles gerade eigentlich für mein Leben?“ Ea ging um fehlende Arbeitskollen, verlorenes Vertrauen und drohende Arbeitslosigkeit.

Wenn der nächste Schritt noch zu früh ist

Sehr emotionale Themen also, die erst einmal bewältigt werden mussten. Somit konnte es zu diesem Zeitpunkt nicht einfach um Bewerbungen, Karriereschritte und Lösungen gehen.  Innerlich ging es bei diesen Menschen gerade um etwas ganz anderes, um etwas viel wesentlicheres: Um Trauer. Auch wenn das damals kaum jemand so benannt hat.

Gleichzeitig wurden diese Menschen aber gefühlt von allen Seiten, von den Behörden, den ehemaligen Arbeitgebern und nicht zuletzt ihrem privaten Umfeld gedrängt ins Handeln zu kommen. Permanente Ansagen wie „Du musst jetzt…“, „Du solltest…“, „Du musst nach vorne schauen…“ „Hast Du schon etwas Neues?“ haben einen permanent spürbaren, unglaublichen Druck ausgeübt –  jedes einzelne Gespräch war geprägt davon.

Die Gespräche, die eigentlich gebraucht wurden

Und genau deshalb habe ich angefangen immer öfter etwas anderes zu machen. Etwas, das eigentlich gar nicht „mein Job“ war. Ich habe angefangen, andere Fragen zu stellen, zuzuhören, nachzufragen, einfach Raum zu schaffen und mitauszuhalten. Mich für das zu interessieren, was weh tut, für das, was noch ungeklärt ist und das, was erst einmal einfach begriffen werden will – ohne sofort in Lösungen zu gehen.

Der Wendepunkt

Diese Gespräche waren oft die, die wirklich etwas verändert haben, denn ich habe gemerkt, was es mit den Menschen gemacht hat, wenn sie das Gefühl hatten, wirklich gesehen und gehört zu werden und mit dem Riesenberg an Ungewissheit, der da vor ihnen lag, nicht allein zu sein.

Irgendwann wurde dann für mich persönlich klar: Genau das fehlt generell. Es fehlt ein Raum, in dem Menschen nicht sofort funktionieren müssen, ein Raum, in dem sie eben nicht direkt „nach vorne“ schauen müssen, sondern erst einmal ankommen, begreifen und fühlen dürfen. Er fehlt, weil genau das in keinem Kontext unseres gesellschaftlichen Lebens wirklich Platz hat.

Wie Lebensnarben entstanden ist

Und genau aus dieser Erkenntnis heraus ist die Idee zu LEBENSNARBEN entstanden. Die Idee, einen Raum zu schaffen für all das, was oft keinen Platz im Leben hat. Für Trauer und Verluste außerhalb von Tod und Sterben und bei allen schmerzhaften Brüchen im Leben.

Um all dem fachlich fundiert begegnen zu können habe ich deshalb eine Ausbildung zum systemisch integrativen Coach, sowie zur Trauer- und Verlustbegleiterin absolviert. Denn mir war inzwischen klar, dass Menschen nicht immer sofort den nächsten Schritt brauchen, um gut weiterleben zu können. Sondern sie brauchen zunächst oft erst Raum, Verständnis und Zeit, Begleitung durch entsprechende Methoden und eingebettet in mögliche Persepektivwechsel und Stärkung ihrer Ressourcen. Erst dann wird wirkliches Begreifen von dem, was gerade passiert und eine Bewältigung und gesunde Intergration der Trauer in ihr Leben möglich, um dann wirklich von dort aus Weitergehen und gesund Weiterleben zu können.

Erst dann wird echte Veränderung wirklich möglich. Und eben nicht, wenn sie von außen erzwungen wird. Und genau das ist die Mission, die hinter LEBENSNARBEN steht.

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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