Grab

Veränderung fühlt sich selten so an, wie wir es uns wünschen. Wir stellen uns Durchbrüche oft vor als etwas sehr klares, kraftvolles und erleichterndes, also als den einen Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergibt. Aber die Realität ist ja meist doch eine andere, denn wirklich Veränderung beginnt meist eher mit Unsicherheit, Kontrollverlust und mit dem Gefühl von totaler Orientierungslosigkeit, dem Gefühl also, eher irgendwie festzustecken, anstatt etwas Neues zu erschaffen.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. „Alle wollen die Auferstehung …“
  2. Das was wir nicht fühlen wollen
  3. Das eigentliche Problem: Wir sammeln
  4. Warum wir so lange festhalten
  5. Die „3 Tage im Grab“
  6. Warum wir unseren eigenen Prozess unterschätzen
  7. Zwei Fragen an Dich

 

„Alle wollen die Auferstehung…“

Vor einiger Zeit, im Rahmen der Osterfeiertage, habe ich dazu irgendwo einen Satz gelesen (ich weiß leider nicht mehr, wer ihn verfasst hat, sorry) , der mich nicht mehr losgelassen hat:

Alle wollen die Transformation und die Auferstehung,
aber niemand will die 3 Tage im Grab in Kauf nehmen.“

Und ich finde, auch wenn er erst einmal etwas heftig klingt und auch, wenn man vielleicht nicht so viel Bezug zu dieser christlichen Anlehnung hat, beschreibt dieser Satz so treffend, wie wir mit Veränderung – und auch mit Trauer bei Verlusterlebnissen im Leben – in den meisten Fällen umgehen. Denn wenn wir mit einem Verlust zu kämpfen haben, wollen wir alle in der Regel, dass es schnell leichter wird, dass das heftige Gefühlschaos in uns möglichst schnell vorbei geht, dass wir wieder zum Alltag übergehen können und wir wieder „wir selbst“ sind. Verständlich.

Was wir dabei aber nicht wollen ist, durch das Dazwischen gehen.

Das, was wir nicht fühlen wollen

Denn dieses „Dazwischen“ fühlt sich selten gut an. Es ist ein Gefühl von Leere, Überforderung und gefühltem, totalem Kontrollverlust. Aber genau da beginnt Trauer. Und das nicht nur beim Tod eines Menschen, sondern eben bei all den Lebensverlusten, die wir erleben. Also dann, wenn eine Beziehung schmerzlich endet, ein Job unerwarteter Weise und ungewollt wegfällt oder ein für uns sicher geglaubter Lebensentwurf nicht aufgeht. Also immer dann, wenn wir eine vertraute, geliebte und für uns gesetzte Version von uns selbst loslassen müssen.

Das eigentliche Problem: Wir sammeln

Was ich diesbezüglich in meiner Arbeit immer wieder sehe: Wir alle sammeln. Ungute Erfahrungen, schmerzliche Verluste, große Enttäuschungen. Und wir unternehmen zum größten Teil jedes einzelne Mal – nichts. Stattdessen sind wir Meister im Parolen ausgeben wie beispielsweise „Ich krieg das schon hin.“ „Ich muss da jetzt durch.“ „Das wird schon wieder.“ „Nur die Harten kommen in den Garten“. Oder wir sagen die allseits beliebte Antwort auf alles: „Alles gut“. Was wir aber nicht tun und was so hilfreich wäre um mit all dem gesund weiterleben zu können: Einmal kurz innehalten, wirklich fühlen, was da grad in mir vorgeht – um es wirklich gesund verarbeiten zu können.

Es ist, als würden wir permanent alles nur unsortiert in eine innere „Mülltonne“ werfen – und diese nie leeren.

Der Preis dafür

Am Anfang und oft auch ganz lange funktioniert das. Wir machen weiter, wir funktionieren, wir halten durch. Aber irgendwann zeigt es sich bei ganz vielen in Erschöpfung, in Schlaflosigkeit, in psychosomatischen Reaktionen, in einer inneren Ungeduld und Unzufriedenheit oder auch in Reaktionen von uns, die wir selbst nicht verstehen. Der Punkt ist dann nicht, das irgendetwas mit uns nicht stimmt“, sondern dass einfach viel zu viel „ungefühlt“ geblieben ist.

Warum wir so lange festhalten

Wir schieben Entscheidungen oft auf – Tage, Wochen, manchmal Jahre lang. Ich kenne das selber nur zu gut. Etwas gehen lassen, von dem man eigentlich weiß, dass es einem nicht mehr guttut. Sich aus einem Kontext lösen, der schon lange nicht mehr zu einem passt. So schwer. Und wir wissen eigentlich, dass sich etwas verändern muss, aber der Status Quo ist (leider) zu vertraut. Der berühmte: „Spatz in der Hand…“ und das eben auch dann, wenn er uns eigentlich schon lange nicht mehr gut geht damit.

Die „3 Tage im Grab“

Das, was wir vermeiden, ist genau das, was Veränderung eigentlich erst möglich macht: Das Bewusst machen, das Aushalten, eben dieses „Dazwischen: Zu benennen, dass etwas wirklich zu Ende gegangen ist und was das alles für uns ganz individuell bedeutet. Auszuhalten, dass wir nicht sofort wissen, wie es weitergeht, nicht gleich zur Tagesordnung übergehen können und stattdessen in Aktionismus zu verfallen, nur, damit möglich schnell wieder etwas Neues da ist.

Also sozusagen der „Karsamstag“ im übertragenen Sinne. Eine Zeit in der es eben nicht hektisch und laut weitergeht, in der wir uns ablenken, um auf andere Gedanken zu kommen, sondern eher still, bestimmt durch ein Gefühl der Ungewissheit und damit in der Regel leider auch eher unbequem. Aber eben auch so wichtig.

Und das meint nicht, dass wir uns in „unserem Elend“ suhlen sollen, ganz und gar nicht. Und wohlmeinende „Mitaushalter“, die uns mitnehmen zu Ablenkungsveranstaltungen können Gold wert sein. Aber es muss Platz für beides sein, denn Trauer lässt sich nicht langfristig durch äußerlichen Lärm bewältigen, sondern vor allem durch Stille im Inneren und ruhigem Sortieren im Außen.

Warum wir unseren eigenen Prozess unterschätzen

Was wir nämlich oft vergessen: Wir überblicken unseren eigenen Zeithorizont nicht, denn was sich heute anfühlt wie Stillstand, Chaos und Ausweglosigkeit kann sich schneller verändern, als wir denken. So wie Schneechaos an einem Tag und Sonne am nächsten. Und deshalb geht es eben nicht darum einfach um jeden Preis, schneller weiterzukommen, stark zu sein (gerne auch vom Umfeld kommentiert „Du bist so stark, Du schaffst das …) und „es endlich hinter sich zu lassen“. Es geht vielmehr darum, sich selber zu erlauben, zu fühlen, und dabei dem, was wirklich ist und dem was war, Raum zu geben und nicht alles sofort lösen zu müssen.

Veränderung ist kein gerader Weg und Trauer ist kein Problem, das man „wegregeln“ kann. Sie ist ein Prozess, ein Dazwischen, was es auszuhalten gilt und ein Raum, der gefüllt werden will mit Deinen ehrlichen Gefühlen – und nicht einfach nur übersprungen.

Und vielleicht gehört noch etwas ganz Wesentliches dazu: Ohne Trauer ist gar kein echter Neuanfang möglich. Trauer selbst ist nicht das, was uns zerstört. Sie ist das, was uns bewegt.

Wovor wir eigentlich Angst haben, ist der erste Schmerz. Dieser Moment, in dem uns der Verlust mit voller Wucht trifft – roh, überwältigend und kaum auszuhalten. Aber dieser Schmerz ist nicht die eigentliche, die ganze Trauer. Er ist lediglich ihr Anfang. Wenn wir diesen nicht umgehen, sondern durch ihn hindurchgehen, verändert sich etwas. Dann kommen wir in ein anderes Erleben von Trauer, was tiefer geht und heilsam ist. Ein Grundgefühl, das nicht mehr nur weh tut, sondern verbindet. Mit dem, was war, mit dem, was bleibt und langsam auch mit dem, was wieder entstehen darf.

Und genau dort wird Neuanfang überhaupt erst möglich.

Vielleicht ist ja auch bei Dir der Moment gekommen, wo es darum geht, nicht noch mehr zu sammeln, sondern einmal stehen zu bleiben und das auszuräumen, was sich angesammelt hat. Denn genau dort beginnt echte Veränderung und das nicht erst irgendwann, wenn Du im Rentenalter mal Zeit dafür hast, auf Dein Leben zurückzublicken, sondern jetzt, mitten im Dazwischen.

Zwei Fragen an Dich

Wenn Du magst und einen Moment innehalten möchtest:
Fühlt es sich gerade für Dich so an, als würde etwas in Deinem Leben zu Ende gehen?
Oder bist Du in genau diesem Dazwischen – und weißt nicht, wie es weitergehen kann?

Dann lass uns sehr gerne darüber reden. Schreibe mir und wir machen Dein „Dazwischen“ zu einer hilfreichen Zeit für Dich.

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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