Authentisch sein

„Sei einfach ganz Du selbst.“

Ein Satz, der sich wertvoll anhört und sicherlich auch gut gemeint ist und trotzdem für viele Menschen gerade in Zeiten von Trauer und Verlust kaum greifbar ist, denn was, wenn Du im Moment gar nicht genau weißt, wer dieses „Selbst“ eigentlich gerade ist? Was, wenn Du eher nur damit beschäftigt bist, irgendwie durchzukommen?

Gerade nach Verlusten, wo Menschen an andere Menschen Erwartungen haben, wie sich ein „Trauernder“ zu verhalten hat, zeigt sich oft ein Muster, das in der Traumaforschung einen Namen hat: Fawning. Dieses Wort steht für anpassen, gefällig sein, weiter funktionieren. Und für das Wählen genau dieser Verhaltensweisen, einfach weil es sich sicherer anfühlt.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Wenn Anpassung zur Überlebensstrategie wird
  2. Warum „Sei authentisch oft zu früh kommt“
  3. Du bist nicht festgelegt – Du entwickelst Dich
  4. Der Weg zurück zu Dir führt über Sicherheit
  5. Trauer braucht keinen perfekten Ausdruck

Wenn Anpassung zur Überlebensstrategie wird

Verlust bringt unser inneres System aus dem Gleichgewicht. Ob es der Verlust eines Menschen, einer Beziehung, eines sicheren Lebensgefühls oder einer Zukunftsvorstellung ist – etwas in uns sucht genau dann händeringend nach Halt und etwas, was uns Halt geben kann. Und manchmal bedeutet das, dass wir dann, statt weinend zusammenzubrechen, weiterhin stark sind für andere, auch wenn wir eigentlich selbst Halt bräuchten, wir weiter lächeln, obwohl uns gar nicht danach ist und „es ist schon okay“ sagen, obwohl es das eigentlich ganz und gar nicht ist. Wir uns also, so gut es geht, an all die normalen Abläufe anpassen. Einfach um nicht noch mehr zu verlieren.

Gerade in der Trauer ist dieses Verhalten weit verbreitet. Als Schutz. Denn für unser Nervensystem zählt in dieser Zeit nur die eine zentrale Frage: Was gibt mir Sicherheit und was sichert mir gerade Verbindung und Zugehörigkeit?

Und oft lautet darauf eben die unterbewusste Antwort: Anpassung.

 

Warum „Sei authentisch“ oft zu früh kommt

In solchen Momenten kann der Wunsch von anderen, „lass es doch einfach mal raus“ oder „sei einfach Du selbst“, schlichtweg überfordern, denn Authentizität setzt etwas voraus, das in der Trauer oft zutiefst erschüttert ist, nämlich den inneren Zugang zu Dir selbst und ein Gefühl für Sicherheit in Bezug auf Dich selbst.
Wenn Du dazu vielleicht noch gelernt hast, dass es generell sicherer ist, Dich zurückzunehmen oder anzupassen, dann ist Dein „authentisches Selbst“ erst recht nicht einfach abrufbar. Es ist ja sowieso schon eher leise geworden, vorsichtig oder vielleicht ist es auch noch gar nicht so richtig erforscht.

Wer möchte ich eigentlich wirklich in meinem Leben sein? Eine Frage, die nicht jeder für sich im „normalen“ Leben sofort beantworten kann – und in Zeiten von Trauer und Verlust schon erst recht nicht. Aber Du wirst genau darauf brutal zurückgeworfen. Deshalb ist der Ratschlag „Sei ganz Du selbst“ sicherlich nicht falsch, kommt aber oft einfach zu früh, auch wenn Dein Umfeld Dich so gerne greifbar „zurück“ hätte.

Du bist nicht festgelegt – Du entwickelst Dich

Gerade in Verlustprozessen zeigt sich: Du bist nicht „die eine Version“ von Dir. Du bist im Wandel und in der Entwicklung, immer. Und vielleicht bist Du deshalb gerade auch einfach verletzlicher als früher, stiller oder auch lauter. Suchender, fragender, unsicherer oder auch viel klarer in dem, was auch einfach nicht mehr für Dich passt.

Deshalb bedeutet „Authentizität“ auch nicht einfach nur, die eine feste Identität zu finden. Sondern Authentizität bedeutet in Kontakt mit Dir zu bleiben und zwar immer, auch wenn das gerade in schlechten Zeiten nicht einfach ist und sich dieser Kontakt verändert – und es Dein Umfeld verunsichert.

Viele Menschen in der Trauer erleben diesen inneren Zwiespalt. Sie funktionieren im Alltag – und fühlen sich gleichzeitig innerlich weit weg von sich selbst. Dieses Übergangsgefühl kann sehr irritieren, man fühlt sich falsch im eigenen Leben. Es ist erst einmal nur noch ein Raum, in dem Du Dich bewegst, während sich in Dir noch ganz viel sortiert.

Die entscheidende Frage ist: Was fühlt sich hier gerade noch nach mir an oder was ist fremd geworden und darf zusammen mit dem, was verloren gegangen ist, verabschiedet werden?

 

Der Weg zurück zu Dir führt über Sicherheit

Echtheit entsteht nicht durch Druck. Nicht durch „Jetzt reiß Dich zusammen“ oder „sei doch einfach ganz Du selbst“, sondern durch neue, positive Erfahrungen, durch kleine Momente, in denen Du Dich nach Deinem Verlust zeigst und Dich langsam vortastest – und es sich o.k. und sicher für Dich anfühlt.

Vielleicht sagst Du einmal ehrlich, dass es Dir nicht gut geht, bittest um Unterstützung, lässt ein Gespräch zu, ohne Dich anzupassen, sondern Dich wirklich so zu zeigen, wie es Dir gerade geht. Das fühlt sich für Dich vielleicht erst einmal nicht nach großen Schritten an, die Du Dir auf dem Weg zu Deinem authentischen Selbst wünschen würdest, aber Dein Nervensystem lernt dabei das Wesentliche: Ich darf so sein – und ich bleibe trotzdem in Verbindung.

 

Trauer braucht keinen perfekten Ausdruck

Gerade im Kontext von Verlust gibt es keinen „richtigen“ Weg, Du selbst zu sein. Manchmal bist du angepasst, manchmal ganz klar, manchmal auch völlig widersprüchlich. All das darf gleichzeitig existieren. Denn Du machst nichts falsch, wenn Du Dich schützt. Und Du bist nicht weniger echt, nur weil du (noch) nicht alles zeigen kannst.

Es geht nicht darum, sofort um jeden Preis ganz authentisch sein zu können, auch wenn andere das vielleicht vermeintlich von Dir erwarten, sondern darum, Dir selbst langsam wieder näherzukommen. Schicht für Schicht. Erfahrung für Erfahrung.

Bis Du nicht mehr überlegen musst, wer Du jetzt eigentlich (noch) bist, sondern es einfach spürst. Und bis dahin darf eben auch der Teil von Dir da sein, der sich anpasst, schützt und vorsichtig bleibt – als Teil Deiner Geschichte und Entwicklung.

Und wenn Du auf diesem Weg für Dich alleine eine wenig den Überblick verlierst – ich bin gerne für Dich da und unterstütze Dich beim Sortieren. Du musst da nicht alleine durch.

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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