Lebenskrise

„Bis vor kurzem war doch noch alles in Ordnung.“ Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit häufiger. Er fällt im Zusammenhang mit einem Unfall, einer Diagnose, oder einer Trennung und er beschreibt meist den Moment, in dem das Leben, wie es meine Klienten es kannten, augehört hat, zu existieren.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Was sind Lebenskrisen?
  2. Wie fühlt sich eine Lebenskrise an?
  3. Phasen der Krisenbewältigung
  4. Lebenskrisen brauchen Zeit und Begleitung
  5. Lebensnarbe

 

Was sind Lebenskrisen?

Lebenskrisen kommen selten angekündigt. Sie reißen uns aus dem Alltag, stellen Gewissheiten infrage und fordern uns psychisch, emotional und oft auch körperlich existenziell heraus. Nichts fühlt sich mehr sicher an. Orientierung geht verloren

Eine Lebenskrise entsteht meist dann, wenn ein Ereignis oder eine Veränderung unsere bisherigen Bewältigungsstrategien überfordert. Das, was uns bisher Halt gegeben hat, reicht plötzlich nicht mehr aus.
Meist werden Krisen, neben dem Tod eines geliebten Menschen, durch andere äußere Ereignisse und sehr häufig durch Abschiede ohne Abschied ausgelöst, die wir kaum oder gar nicht beeinflussen können.

Diese sogenannten „nicht-normativen“ Lebenskrisen betreffen viele Menschen auf die unterschiedlichste Art und Weise. Es geht dabei aber immer um Dinge, die eigentlich als Grundsicherheiten gelten und plötzlich wegfallen. Man hat keine Möglichkeit, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten und stösst an seine Grenzen. Zum Beispiel durch

• der Verlust des Arbeitsplatzes
• eine berufliche Versetzung oder ein erzwungener Neuanfang
• finanzielle Not
• Untreue oder Trennung
• ein Unfall
• eine schwere Erkrankung
• ein schmerzhafter Kontaktabbruch
• das Scheitern eines Lebenstraums

Andere Lebenskrisen entstehen in Übergangsphasen, in denen sich unser Leben verändert oder wir beginnen, den Sinn unseres bisherigen Weges zu hinterfragen:

• nach Studium oder Ausbildung, wenn der Einstieg ins Berufsleben unsicher erscheint
• wenn die Kinder ausziehen und sich das Familiensystem neu ordnet (Empty-Nest-Syndrom)
• vor oder während eines beruflichen Neustarts
• wenn Dauerstress uns von unseren eigentlichen Bedürfnissen entfernt
• in der sogenannten Midlife-Krise, wenn das bisherige Leben auf den Prüfstand gerät

Lebenskrisen gehören zum Menschsein. Sie sind keine Ausnahme, sondern Teil jeder Biografie.

Wie fühlt sich eine Lebenskrise an?

Auch wenn Krisen zum Leben gehören, treffen sie uns fast immer unvorbereitet. Menschen beschreiben mir Gefühle von Ohnmacht, Angst, innerer Leere oder totaler Überforderung. Gedanken kreisen, der Körper reagiert, Schlaf und Appetit geraten aus dem Gleichgewicht.

In der Krise scheint der Blick nach vorn oft versperrt. Doch so schmerzhaft dieser Zustand auch ist: Er markiert einen wichtigen Übergang.

Phasen der Krisenbewältigung

Aus trauerbegleitender Sicht verlaufen dabei die meisten Lebenskrisen in klassischen Trauerprozessen. Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sie sich in Phasen gliedern – individuell, nicht linear und mit Rückschritten, bzw. Wellenbewegungen.

1. Schock
Die erste Reaktion auf ein einschneidendes Ereignis ist häufig der Schock. Alles fühlt sich unwirklich an, Gedanken rasen oder erstarren. Dieser Zustand schützt uns kurzfristig vor Überforderung. Die einfachsten Dinge fallen schwer – Erste Hilfe ist oft notwendig.

2. Verleugnung
„Das kann nicht wahr sein.“ In dieser Phase versuchen wir, die Realität innerlich auf Abstand zu halten. Hoffnung auf ein Missverständnis oder eine schnelle Lösung dominiert.

3. Verarbeitung
Allmählich setzt die Erkenntnis ein, dass sich die Situation nicht rückgängig machen lässt. Zunächst auf der Verstandesebene beginnen wir, zu reagieren und zu handeln. Die emotionale Verarbeitung braucht meist deutlich
länger.

4. Neuorientierung
Die neue Realität wird angenommen. Altes wird betrauert, Neues darf langsam entstehen. Diese Phase bedeutet nicht, dass alles „gut“ ist, aber Gestaltung wird wieder möglich.
Zu wissen, dass diese Phasen normal sind, entlastet. Viele Menschen fürchten in der Krise, sie würden den Boden unter den Füßen verlieren. In Wahrheit aber reagiert ihre Psyche angemessen auf eine Ausnahmesituation.

Lebenskrisen brauchen Zeit und Begleitung

Lebenskrisen lassen sich nicht abkürzen. Sie fordern Zeit, Geduld und oft Unterstützung. Wer versucht, zu schnell zu funktionieren oder Gefühle zu überspringen, riskiert eher nur, dass die Krise sich weiter verfestigt.

Gleichzeitig tragen Menschen meist mehr Ressourcen in sich, als sie in der Krise spüren können. Mit der richtigen Begleitung kann aus der Erschütterung eine Neuordnung entstehen – nicht als Rückkehr zum Alten, sondern als Entwicklung.

Lebensnarben – das Ergebnis überstandener Krisen

Lebenskrisen hinterlassen Spuren. Sie gehen nicht einfach vorbei, ohne etwas in uns zu verändern. Was bleibt, sind Lebensnarben – sichtbare oder unsichtbare Zeichen dessen, was wir durchlebt und überstanden haben.
In meiner Arbeit als systemischer Trauercoach lade ich Menschen immer wieder dazu ein, diese Narben nicht als Makel zu betrachten. Sie sind kein Zeichen von Versagen. Sie erzählen davon, dass jemand durch eine existenzielle Erfahrung hindurchgegangen ist – und sie überstanden hat.

Überwundene Lebenskrisen wollen gewürdigt werden. Nicht im Sinne von Verklärung oder „Alles war für etwas gut“., sondern in der Anerkennung von „Ich habe das erlebt“. Es hat mich erschüttert. Und ich habe einen Weg hindurch gefunden.

Manche Menschen spüren im Rückblick sogar ein inneres Wachstum: Mehr Mitgefühl, mehr Dankbarkeit, klarere Grenzen und ein tieferes Gespür für das Wesentliche im Leben. Andere erleben so etwas wie einen eigenen Reifeprozess und inneres Wachstum. Beides ist sehr wertvoll.

Lebensnarben erinnern uns daran, dass Leben verletzlich ist – und wir zugleich fähig sind, mit Verletzungen weiterzugehen. Sie gehören zu unserer Geschichte. Und sie verdienen Respekt.

Einladung zur Begleitung

Wenn Du Dich vielleicht gerade in so einer Phase befindest – sei es durch Verlust, Krankheit, Trennung oder einen sonstigen Verlust – dann musst du diesen Weg nicht allein gehen.

Als systemischer Trauercoach begleite ich Menschen in Lebensphasen, in denen Sicherheiten wegbrechen und neue Orientierung gesucht wird. In einem geschützten Raum darf alles da sein: Angst, Trauer, Wut, Zweifel und auch der Wunsch nach einem neuen inneren Gleichgewicht.

Lebenskrisen sind schmerzhaft. Und sie können – mit Zeit und Würdigung – zu Wendepunkten werden.

Wenn Du spürst, dass es hilfreich wäre, innezuhalten und dich begleiten zu lassen, lade ich Dich ein, Kontakt mit mir aufzunehmen. Gemeinsam schauen wir, was Dich jetzt stärkt und trägt.

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

AvP sw Laptop 500x500 20240925

Astrid von Prondzinski

Teile diesen Blogartikel

Hinterlasse einen Kommentar

Beiträge, die Dich ebenfalls interessieren könnten: