
Diese Frage, die Céline Tüyeni als Motto für ihre Blogparade ausgerufen hat und die da lautet „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ ist eine Frage, die ich mir tatsächlich nicht nur einmal in meinem Leben gestellt habe und auch nicht erst, seit ich selbstständig bin – und die mich deshalb auch dazu gebracht hat, mich auch an dieser Blogparade zu beteiligen.
Denn ich habe mir diese Frage tatsächlich des Öfteren und eigentlich immer dann gestellt, wenn mein Leben sehr anstrengend wurde, wenn einfach viele Dinge nicht funktioniert haben und wenn ich vom ewigen Durchhalten und Krisenmodus einfach nur noch erschöpft war. Eben dann, wenn ich mich generell gefragt habe, ob der Aufwand, die Unsicherheit und die Verantwortung wirklich in einem vernünftigen Verhältnis zu dem stehen, was ich dafür bekomme. Und das war leider bereits ein paar mal in meinem Leben der Fall.
Und ja, als Selbstständige kenne ich diese Momente natürlich auch.
Die Momente, in denen man auf die To-do-Liste schaut und denkt: Ernsthaft jetzt?
Die Momente, in denen andere um 17 Uhr den Laptop zuklappen und Feierabend haben, während man selbst noch Newsletter formuliert, Blogbeiträge schreibt, Rechnungen erstellt oder versucht herauszufinden, warum die Technik schon wieder nicht das macht, was sie soll.
Die Momente, in denen man viel arbeitet und trotzdem nicht genau weiß, wie die nächsten Monate aussehen werden – und man trotzdem weiter macht.
Die Inhalte von diesem Blog
- Der Moment, in dem ich alles hätte hinschmeißen können
- Warum ich mich ursprünglich selbstständig gemacht habe
- Was ich vermissen würde
- Wen macht meine Arbeit glücklich?
- Welchen Preis zahle ich?
- Was hat mich durch schwierig Zeiten getragen?
- Welche Freiheit würde ich nie wieder hergeben?
- Was sage ich mir, wenn der Frust groß wird?
- Was ich Menschen sagen möchte, die kurz vor dem Aufgeben stehen
Der Moment, in dem ich alles hätte hinschmeißen können
Eigentlich gab es nicht den einen großen Moment, es waren eher viele kleine. Die ersten Monate, in denen überhaupt niemand auf irgendeinen meiner Beiträge reagiert hat. Die Zeiten, in denen ich viel Energie in Dinge gesteckt habe, die anschließend niemanden interessiert haben. Und vor allem die Zeiten, in denen ich wirklich verstanden habe, was alles für „Nebenjobs“, auch noch, ohne große Anleitung und Vorbereitung, im Rahmen meiner Selbstständigkeit zu bewältigen sind.
Allen voran aber natürlich die Zeiten, in denen die Zweifel, ob überhaupt jemand bereit ist, für etwas Geld auszugeben, das sich mit so einem unpopulären Thema in unserer Gesellschaft wie „Verlust und Abschied“, beschäftigt, sehr groß waren. Und natürlich vor allem auch die Momente, in denen Menschen sehr deutlich gemacht haben, dass sie das, was ich tue, für verzichtbar halten.
Trauercoach. Wer braucht denn sowas?
Eine Frage, die ich häufiger gehört habe, als mir lieb ist – und manchmal habe ich sie mir tatsächlich selbst gestellt.
Denn auch, wenn ich meine Arbeit für mehr als sinnvoll halte, hat Selbstständigkeit nun mal die unangenehme Eigenschaft, alle eigenen Unsicherheiten zuverlässig sichtbar zu machen – auch etwas, auf das ich so tatsächlich nicht vorbereitet war.
Warum ich mich ursprünglich selbstständig gemacht habe
Ganz sicher nicht, weil ich weniger arbeiten wollte und ganz sicher auch nicht, weil ich besonders gut im Verkaufen bin – das bin ich nämlich leider wirklich nicht besonders.
Stattdessen habe ich mich selbstständig gemacht, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich etwas beitragen möchte, etwas beitragen zu dem, das mir selbst in meinem Leben oft gefehlt hat: Einen Platz für all die Verluste, über die niemand spricht. Für all die Abschiede, die keine Beerdigung haben und für all die Trauer, die gesellschaftlich oft nicht einmal als Trauer erkannt bzw. anerkannt wird.
Ich wollte dazu beitragen, dass Menschen sich mit ihren Lebensnarben nicht falsch fühlen müssen, nicht zu schwach, nicht zu emotional und vor allem auch nicht allein – und an diesem Grund hat sich auch für mich bis heute nichts geändert.
Ganz im Gegenteil: Nach all meinen Erfahrungen und den Gesprächen, die ich geführt habe, stimmt er für mich sogar mehr denn je.
Was ich vermissen würde
Die Gespräche. Genau diese Gespräche, die mich immer wieder darin bestärken, dass an dieser Arbeit, die ich mache, ein so großer Bedarf besteht.
Verzichten könnte ich auf die Buchhaltung, die Technik und die Steuererklärung und die ganze Selbstvermarktungsmaschienerie – da tanzen ein paar innere Anteile, Glaubenssätze und uralte Überzeugungen von mir regelmäßig Tango miteinander, aber nun gut …
Aber die Gespräche, diese Momente, in denen ein Mensch plötzlich etwas ausspricht, das er vielleicht jahrelang mit sich herumgetragen hat und so etwas sagt, wie „So habe ich das noch nie betrachtet“ oder „Ich dachte immer, ich bin die Einzige, die so fühlt“ oder „Jetzt verstehe ich endlich, warum mich das bis heute beschäftigt.“ die sind es, wofür ich das mache.
Wen macht meine Arbeit glücklich?
Meine Arbeit macht Menschen glücklich, die sich mit ihrem Schmerz, ihrer Trauer oder ihren stillen Verlusten lange allein gefühlt haben. Menschen, die endlich Worte für das finden möchten, was sie belastet. Und Menschen, die spüren wollen: Mit mir ist alles in Ordung, an mir und meinen Gefühlen und Emotionen ist nichts falsch. Ich darf trauern, auch wenn niemand gestorben ist. Also Menschen, die irgendwo unterwegs ihr Zuhause in sich selbst verloren haben. Die sich fragen, warum etwas immer noch weh tut. Die glauben, sie müssten längst weiter sein. Und die dann erleben, dass sie weder falsch noch zu empfindlich sind, sondern einfach etwas verloren haben, das ihnen wichtig war.
Und wenn ich ehrlich bin, geht es mir darüber hinaus auch noch um etwas Größeres, denn ich wünsche mir insgesamt eine Gesellschaft mit mehr Trauerkompetenz.
Eine Gesellschaft, in der wir nicht nur mit Tod und Sterben besser umgehen können, sondern auch mit all den anderen Verlusten. Mit Trennungen, mit Kontaktabbrüchen, mit unerfüllten Kinderwünschen, mit Diagnosen, mit Jobverlust und generell mit zerplatzten Lebensentwürfen.
Mit all den Momenten also, in denen auch etwas endet, für deren Abschiede wir aber weder Worte noch Rituale haben. Das ist meine Mission – und die eigentliche Antwort auf die gestellte Frage.
Wenn meine Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen bei solchen Themen etwas mutiger, verständnisvoller und menschlicher werden, sich verstanden und gesehen und nicht mehr so einsam fühlen, dann macht mich das nicht nur glücklich, sondern dann macht all das, was ich mir „antue“ absolut Sinn.
Welchen Preis zahle ich?
Selbstständigkeit klingt oft nach totaler Freiheit – zeitlich, räumlich und vor allem inhaltlich. Und ja, diese Freiheit gibt es natürlich auch.
Aber sie hat, wenn man ehrlich ist, defintiv auch ihren Preis.
Unsicherheit, Verantwortung. Selbstzweifel, 100erte von Entscheidungen und die Tatsache, dass man selten jemanden fragen kann, ob das jetzt richtig oder falsch ist, gehören auch ganz vorne mit dazu.
Und das ist oft alles andere als einfach, denn viele Jahre meines Lebens habe ich mich sehr über Leistung und vor allem über das „für andere funktionieren“ definiert, sprich über Zuständigkeit und Verantwortung. Die Selbstständigkeit hat mich gezwungen, mich mit all diesen Themen und meinen noch vorhandenen blinden Flecken auseinanderzusetzen – und das eben nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, jeden einzelnen Tag.
Was hat mich durch schwierige Phasen getragen?
Meine Lebenserfahrung tatsächlich. Früher hätte ich, glaube ich, vermutlich schneller aufgegeben.
Heute kann ich die schwierigen Phasen besser als Teil des Weges sehen, denn ich habe einige Verluste erlebt, Abschiede, Veränderungen und Neuanfänge und weiss deshalb inzwischen, dass sich maches einfach nicht beschleunigen läßt, Zeit braucht und nicht jede Unsicherheit sofort gelöst werden muss und kann, sondern dass manches auch mal eine Zeit lang einfach unbequem sein darf, bevor es gut, leichter oder zumindest besser wird.
Welche Freiheit würde ich nie wieder hergeben?
Die Freiheit, Prioritäten selbst setzen zu können. Ich habe sehr anstrengende Zeiten im Angestelltenverhältnis erlebt, als meine Kinder klein waren, mit pflegebedürftigen Eltern und mit einem Mann, der permanent auf Geschäftsreisen war. Sprich, mit einem Alltag, der an 1000 Stellen gleichzeitig etwas von mir wollte.
Heute arbeite ich nicht unbedingt weniger, aber ich kann entscheiden, wann ich was mache oder auch nicht und allein diese Möglichkeit bedeutet für mich unglaublich viel.
Was sage ich mir, wenn der Frust groß wird?
Eigentlich immer denselben Satz: „Ich muss nicht alles gleichzeitig, alleine und sofort können.“ und immer wieder auch „Vertraue darauf, dass die richtigen Menschen Dich finden werden.“
Was ich Menschen sagen möchte, die kurz vorm Aufgeben stehen
Frag Dich nicht nur „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ frag Dich immer auch „Warum habe ich überhaupt angefangen?“ denn die Antwort darauf lässt mich persönlich zumindest immer weiter machen.
Einen Moment innezuhalten und sich zu erinnern „Wofür machst Du das eigentlich?“
Meine Antwort ist inzwischen ziemlich klar: Ich mache das für die Menschen, die irgendwann erkennen dürfen, dass sie mit ihren Verlusten nicht falsch und auch nicht alleine sind. Und ich mache es für eine Gesellschaft, die lernen darf, Trauer nicht nur auszuhalten, sondern zu verstehen. Deshalb bleibe ich dran, auch wenn es nicht immer einfach ist – und ehrlich gesagt:
Ich kann mir inzwischen kaum noch etwas Sinnvolleres vorstellen.
P.S. Und wenn Dich das gerade berührt und Du vielleicht gerade genau an diesem Punkt stehst: Du musst das alles nicht alleine für Dich lösen. Mit Lebensnarben begleite ich Menschen genau durch diese Prozesse bei Abschieden, Veränderungen und die Kapitel ihres Lebens, die noch keine Antworten und keinen guten Platz gefunden haben.
P.P.S. Wenn Dich solche Gedanken wie hier berühren dann ist mein Newsletter „Pflasterpost“ genau richtig für Dich. Dort schreibe ich regelmäßig immer montags, alle zwei Wochen über Krisen, Verletzlichkeit, Trauer, über leise Verluste, seelische Narben, innere Prozesse und alles Dazwischen. Eben über all das, was tiefer geht und unter der Oberfläche liegt.
Nicht regelmäßig perfekt, aber regelmäßig ehrlich Es geht um Gedanken, die nicht an der Oberfläche bleiben, Perspektiven, die man nicht überall liest und Worte für das, was sonst keinen Namen hat.
Kein Spam. Kein Druck. Nur Dinge, die Dich in Deiner Situation ein bisschen begleiten können.
Trag Dich hier ein und lies gerne mit.





