Wenn ich auf mein Leben in jungen Jahren zurückblicke, muss ich gestehen, dass es doch eine ganze Reihe von Dingen gab, von denen ich überzeugt war. Dinge, die ich für wahr hielt, Dinge, nach denen ich gelebt habe, Dinge, die mir Orientierung gegeben haben, Und dann kam das Leben.

Mit seinen Umwegen, seinen Verlusten, seinen Abschieden, seinen Überraschungen – und plötzlich waren manche Überzeugungen nicht mehr haltbar. Andere wurden stattdessen stärker. Und einige Erkenntnisse haben viele Jahre gebraucht, bis sie ihren Weg vom Kopf ins Herz gefunden haben.

Im Rahmen von einer weiteren Blogparade, die dieses Mal von Birgit Elke Ising mit der Frage „Was ich gern früher über mich und das Leben gewusst hätte“ ins Leben gerufen worden ist, habe ich mich genau mit dieser Frage beschäftigt und wenn ich im Rahmen dessen meinem jüngeren Ich heute etwas mitgeben könnte, dann wahrscheinlich die folgenden Punkte.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Du musst nicht alles alleine schaffen
  2. Gefühle sind keine Störung
  3. Nicht jede Trauer und jeder Verlust hat mit Tod zu tun
  4. Menschen handeln oft aus ihren eigenen Wunden heraus
  5. Manche Fragen haben keine Antwort
  6. Heilung bedeutet nicht, dass nie wieder etwas weh tut
  7. Die meisten Menschen kämpfen mit etwas, was man ihnen nicht ansieht
  8. Perfekte Lebensläufe sind langweilig
  9. Du darfst Deine Meinung ändern
  10. Was ich heute über ein gutes Leben glaube
  11. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis überhaupt

 

Du musst nicht alles alleine schaffen

Diese Erkenntnis hätte mir vermutlich viele Umwege erspart. Lange Zeit war ich davon überzeugt, dass Stärke bedeutet, Dinge alleine hinzubekommen, Probleme selbst zu lösen, Belastungen auszuhalten und immer zuverlässig zu funktionieren.

Heute glaube ich etwas völlig anderes.

Menschen sind nicht dafür gemacht, alles alleine zu tragen. Wir brauchen andere Menschen.

 

Gefühle sind keine Störung

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in meinem Leben versucht habe, Gefühle wegzuerklären, zu relativieren und zu kontrollieren – vor allem die unangenehmen, wie Traurigkeit, Angst, Überforderung und Trauer.

Besonders mein sensibles Empfinden war oft etwas, was ich mir anders gewünscht hätte, ich wäre gerne in vielen Situationen taffer, unabhängiger und stärker gewesen.

Heute weiß ich, dass meine Gefühle keine Fehlfunktion sind. Sie sind ein wichtiger Teil von mir, so bin ich gedacht und sie liefern mir immer die wichtigsten Informationen in meinem privaten und beruflichen Leben.

 

Nicht jeder Verlust und jede Trauer hat mit Tod zu tun

Das hätte ich wirklich gerne früher verstanden, denn viele meiner schmerzhaftesten Erfahrungen hatten nichts mit Sterben zu tun. Es waren Trennungen, Enttäuschungen, verpasste Chancen, nicht gelebte Möglichkeiten.

Menschen, die geblieben sind und trotzdem nicht mehr erreichbar waren und Lebenspläne, die nicht aufgegangen sind.

Deshalb weiß ich heute, dass Trauer zum Leben gehört und immer dort beginnt, wo etwas Wichtiges verloren geht. Nicht erst auf einem Friedhof.

 

Menschen handeln oft aus ihren eigenen Wunden heraus

Diese Erkenntnis hat vor allem beruflich meinen Blick auf andere Menschen verändert. Privat vor allem auf meine Herkunftsfamilie, aber eben auch auf mich selbst.

Früher habe ich vieles persönlich genommen. Heute frage ich mich häufiger „Welche Geschichte trägt dieser Mensch vielleicht mit sich herum, was ihn veranlasst, sich jetzt gerade so zu verhalten?“ Das entschuldigt natürlich nicht alles, aber es macht vieles verständlicher und damit manches auch leichter hinzunehmen.

 

Manche Fragen haben keine Antwort

Das war eine der schwierigsten Lektionen überhaupt für mich, denn Antworten, Zusammenhänge, Erklärungen und Logik geben ja grundsätzlich Sicherheit und für mich ist Sicherheit ein hoher Wert.

Doch das Leben interessiert sich nun mal erstaunlich wenig dafür. Sprich, für die Frage, warum manche Menschen früh sterben, warum Beziehungen scheitern, einfach warum manche Dinge überhaupt passieren und warum andere stattdessen ausbleiben.

Auf diese Fragen gibt es keine Antworten und trotzdem geht das Leben weiter. Und es geht eben auch nicht darum darauf Antworten zu finden, sondern das gut ins eigene Leben zu integrieren, was es mit einem macht.

 

Weitermachen zu können, bedeutet nicht, dass etwas nie wieder weh tut

Das habe ich in meiner Arbeit mit Lebensnarben gelernt. Und an mir selbst. Ich dachte früher, dass verarbeitet bedeutet: Es tut nicht mehr weh.

Heute sehe ich das anders, denn inzwischen weiß ich, dass manche Dinge nie ganz verschwinden werden. Aber sie müssen deshalb auch nicht alles in meinem Leben bestimmen. Ich kann ihnen bewusst einen anderen Platz geben, ohne etwas verdrängen oder verleugnen zu müssen.

 

Die meisten Menschen kämpfen mit etwas, das man ihnen nicht ansieht

Diese Erkenntnis hat mich wahrscheinlich am nachhaltigsten geprägt, denn oft wissen wir von Menschen, über die wir uns eine Meinung gebildet haben nur fünf Prozent ihrer Geschichte.

Wir sehen einen Ausschnitt, einen Moment, ein Verhalten, eine Reaktion. Was wir nicht sehen: Die Verluste, die Ängste, die Zweifel und die nicht erzählten Geschichten, die dieser Mensch mit sich trägt.

Seit ich das wirklich verstanden habe, bewerte ich deutlich weniger und frage deutlich öfter nach.

 

Perfekte Lebensläufe sind oft langweilig

Früher dachte ich, ein gutes Leben verläuft geradlinig, mit Plan und mit Sicherheit. Mit möglichst wenigen Brüchen. Aber ausgerechnet in meinem beruflichen Leben arbeite ich bis heute mit Menschen an den Stellen, an denen das Leben eben nicht geradlinig war.

Und ganz ehrlich, ich finde dort entstehen meist die spannendsten Geschichten. Dort, wo Menschen lernen müssen, einen neuen Plan zu schreiben, weil der Alte nicht funktioniert hat.

 

Du darfst Deine Meinung ändern

Auch das hätte ich gerne früher gewusst – dass man tatsächlich seine Sichtweise verändern darf. Als Zeichen von Entwicklung.

Manche Dinge, von denen ich früher überzeugt war, sehe ich heute völlig anders und ich hoffe ehrlich gesagt, dass das auch in Zukunft so bleiben wird – denn das bedeutet, dass ich mich immer weiter entwicklen werde und ich finde, wenn man einmal damt angefangen hat dieser Spur zu folgen, möchte man auch nie mehr damit aufhören.

 

Was ich heute über ein gutes Leben glaube

Wenn ich all diese Erkenntnisse auf einen Nenner bringen müsste, dann vielleicht darauf, dass ich verstanden habe, dass ein gutes Leben nicht dadurch entsteht, dass alles gelingt und wir immer glücklich sind, sondern dadurch, dass wir lernen, mit dem umzugehen, was das Leben mit sich bringt – und es keine Schande ist, dass vielleicht nicht immer alles ganz alleine schaffen zu müssen.

 

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis überhaupt

Wenn ich meinem jüngeren Ich nur einen einzigen Satz hinterlassen dürfte, dann wäre es dieser:
Du musst nicht erst ein anderer Mensch werden, um ein gutes Leben führen zu dürfen.

So vieles in unserem Leben basiert auf der Idee, irgendwann anzukommen, dann, wenn ich mutiger bin, wenn ich erfolgreicher bin, wenn ich schlanker bin, wenn ich weniger empfindlich bin, wenn ich dies oder jenes endlich geschafft habe.

Heute versuche ich mir jeden Tag vor Augen zu halten: Das Leben findet nicht später statt. Es findet genau hier statt. Mit allem, was da ist und manchmal auch mit allem, was fehlt.

Das gelingt mir mal mehr mal weniger gut, aber ich arbeite daran. 

 

Welche Erkenntnis hättest Du selbst gerne früher über Dich oder das Leben gewusst?

Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren.

 

P.S. Und falls Du gerade an einem Punkt stehst, an dem das Leben Dir Fragen stellt, auf die Du noch keine Antwort hast: Du musst diese Fragen nicht alleine für Dich lösen. Mit Lebensnarben begleite ich Menschen genau durch diese Prozesse bei Abschieden, Veränderungen und die Kapitel ihres Lebens, die noch keine Antworten und keinen guten Platz gefunden haben.

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Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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  1. Birgit Elke Ising 23. Juli 2026 at 08:55- antworten

    Liebe Astrid,

    was für ein berührender und ehrlicher Artikel!

    Danke, dass Du Dich so tief auf die Frage der Blogparade eingelassen hast!

    Besonders Dein Gedanke, dass Heilung nicht bedeutet, dass nie wieder etwas weh tut, sondern dass wir den Dingen einen anderen Platz geben dürfen, ist mir wirklich nahegegangen.

    Und der Satz „Du musst nicht erst ein anderer Mensch werden, um ein gutes Leben führen zu dürfen“ ist die Art von Erkenntnis, für die ich mir mit dieser Blogparade erhofft hatte – so viele unterschiedliche, aber gleichermaßen wertvolle Perspektiven auf diese eine große Frage zu bekommen. Danke, dass Du mit Deinem Beitrag dazu gehörst!

    Herzliche Grüße
    Birgit

    PS: meinen eigenen Beitrag zu meiner Blogparade findest Du übrigens hier:
    https://birgit-ising.com/improvising-life-leichter-leben/100-dinge-die-ich-gern-fruher-gewusst-hatte/

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