
Zu Beginn eines neuen Jahres ist sie wieder da: Die Zeit der guten Vorsätze. Mehr Sport und gesünder essen. Digital Detox. Insgesamt einfach weniger Stress.
All diese Vorsätze haben eines gemeinsam: Sie entstehen aus dem Wunsch, den eigenen Körper zu entlasten und zu stärken, gesünder zu leben und etwas im Leben zu verbessern. Doch es gibt einen Bereich, der in dieser Zeit fast nie mitgedacht wird, obwohl er oft viel schwerer wiegt, als jede körperliche Überlastung: Unsere seelischen Ablagerungen.
So saß mir neulich eine Frau gegenüber, die sagte: „Eigentlich ist ja alles okay bei mir, aber ich fühle mich dennoch innerlich irgendwie wie zugemüllt.“
Diesen Satz fand ich sehr einprägsam, denn er beschreibt sehr gut, wie es den Menschen mit unverarbeiteter Trauer oft geht. Auch meine Klientin war nicht in einer akuten Krise, sondern sie war insgesamt einfach müde vom zu viel Runterschlucken, vom zu viel Aushalten und immer weiter Funktionieren ohne Rücksicht auf Verluste – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Inhalte von diesem Blog
- Unverarbeitete Gefühle als Giftstoffe
- Trauer als innere Ablagerung
- „Ich habe das immer so gemacht“
- Neue Verluste
- Dein Vorsatz für das neue Jahr
Was wäre, wenn wir unverarbeitete Gefühle wie Giftstoffe behandeln würden?
In der körperlichen Gesundheit wissen wir eigentlich: Was wir dauerhaft verdrängen, ignorieren oder „runterschlucken“, meldet sich irgendwann zurück. Denn der Körper reagiert langfristig auf verdrängte Gefühle mit Erschöpfung, mit Schmerzen, mit Schlaflosigkeit und Symptomen aller Art. Bei Trauer ganz besonders. Nur dass wir hier gelernt haben, noch sehr viel länger durchzuhalten.
Trauer als innere Ablagerung
Viele Menschen blicken in ihrem Leben zurück auf eine stille Sammlung von Verlusten:
• Alte Abschiede, die nie wirklich verarbeitet wurden
• Trennungen, über die man einfach „hinweggegangen“ ist
• unausgesprochene Enttäuschungen
• Verluste von Gesundheit, Sicherheit oder Lebensentwürfen
• Kontaktabbrüche, die nie geklärt wurden
• Alle möglichen verletzenden Erfahrungen, die man tapfer weggesteckt hat
All das verschwindet nicht einfach. Es lagert sich ab auf unserer Seele und in unserem Körper. Nach außen nicht unbedingt sichtbar und vielleicht auch nicht immer so dramatisch wie ein einzelner Todesfall – aber in der Summe trotzdem negativ sehr wirksam.
„Ich habe das immer so gemacht“
Viele meiner Klienten beschreiben einen ähnlichen Umgang mit Verlust: Erst einmal funktionieren und nicht großartig anderen zur Last fallen. Für die anderen nicht „komisch“ sein, nicht irgendwie „schwierig zu begegnen“. Weiter machen. Stark sein. Und irgendwann kommt dann eben manchmal der Punkt, an dem es nicht mehr geht.
Der Körper meldet sich, die Psyche zieht die Notbremse oder aber das Leben sorgt durch irgendetwas anderes für einen Stopp, den man sich selbst nie erlaubt hätte.
Was wäre, wenn es erst gar nicht so weit kommen müsste?
Ein seelischer Detox – aber anders, als wir ihn kennen
Ein Detox in diesem Zusammenhang bedeutet deshalb auch kein irgendwie aufwendiges „Loslassritual“, sondern es bedeutet vielmehr etwas ganz in Ruhe und bewusst zu verarbeiten, statt es einfach nur weiter mit sich zu tragen. Trauer also nicht länger im Körper zu parken, nicht zu warten, bis Symptome entstehen, sondern sich selbst früher ernst zu nehmen. Und es heißt vor allem auch:
Endlich unterscheiden.
Was gehört wirklich zu mir?
Was halte ich nur, weil ich es immer so gemacht habe?
Was belastet mich, ohne dass ich es je benannt habe?
Es geht also nicht um irgendeine Veränderung auf Knopfdruck, sondern um Entlastung durch Ehrlichkeit und Hinschauen.
Und was ist mit neuen Verlusten?
Besonders spannend ist die Frage nach dem Umgang mit neuen Verlusten, denn viele Menschen haben ein erlerntes Muster: „Ich mach weiter, ich lass mich nicht hängen, ich kriege das schon hin.“ Bis der innere Druck wieder zu groß wird.
Was wäre, wenn wir hier etwas verändern würden? Nicht erst reagieren, wenn nichts mehr geht, sondern direkt anders handeln. Trauer nicht mehr in sich hineinfressen – sondern sich begleiten lassen. Trauer braucht nicht erst eine Beerdigungsfeier oder irgendeine Diagnose, um berechtigt zu sein. Sie braucht auch unabhängig davon einen Platz, wo sie gesehen wird, wo man ihr Zeit gibt und sie eine Begleitung hat, die nicht irgendetwas beschleunigen, bewerten oder behandeln will.
Bei LEBENSNARBEN begleite ich genau diese Trauer jenseits von Tod und Sterben im Alltag von Menschen – also genau dort, wo sie oft nicht offiziell ist und deshalb so lange ignoriert wird.
Vielleicht ist das Dein Vorsatz für dieses Jahr
Nicht noch mehr Disziplin, Aushalten und Selbstoptimierung, sondern stattdessen: Weniger inneres Wegschieben, weniger Alleintragen und weniger Warten, bis der Körper spricht.
Und stattdessen: Frühere Unterstützung, bewusste Integration und insgesamt einen anderen Umgang mit Verlusterlebnissen des Lebens.
Einladung
Wenn Du merkst, dass sich in Dir Dinge angesammelt haben, die schon lange keinen Raum bekommen haben oder wenn Du gerade einen neuen Verlust erlebst und spürst, dass Du nicht wieder alles in Dich hineinfressen möchtest, dann begleite ich Dich gern – in einem geschützten Rahmen und ohne Zeitdruck.
Denn manchmal ist der vielleicht wichtigere Detox nicht der für den Körper, sondern der für unsere Seele und das, was wir zu lange mit uns herumgetragen haben.
Wenn Du mehr von solchen Gedanken lesen möchtest: Hier findest Du meine weiteren Blogartikel





