
Viele Menschen zögern, sich Begleitung zu suchen, weil sie glauben, sie müssten erst genau erklären können, was eigentlich genau mit ihnen los ist und warum sie sich so fühlen, wie sie sich fühlen.
Oft wird dann ein Gespräch am Telefon eröffnet mit Sätzen wie „Ich weiß gar nicht wirklich, warum es mir gerade so geht.“ „Eigentlich gibt es gar keinen richtigen, aktuellen Grund.“ Oder „Ich kann das gar nicht wirklich in Worte fassen.“
Und oft wird dann auch der Gedanke hinterher formuliert: Dann kann es doch eigentlich nicht wichtig genug sein.
Die Inhalte von diesem Blog
- Sprachlosigkeit ist völlig okay
- Nicht alles beginnt mit einem Ereignis
- Ordnung entsteht im Gehen
- Ein Raum für das, was noch keine Form und keinen Namen hat
Sprachlosigkeit ist völlig okay
In Lebenskrisen und Übergängen fehlen oft die Worte. Nicht, weil nicht genug da wäre, worüber es sich zu sprechen lohnen würde, sondern weil zu viel da ist. Gefühle, Eindrücke, Verluste und Veränderungen liegen übereinander. Sie sind noch nicht sortiert. Noch nicht als Summe greifbar. Deshalb ist diese Sprachlosigkeit auch nichts, wofür man sich entschuldigen müsste, sondern die erste Übung ist oft, azuerkennen, dass sie ein Teil des Prozesses ist.
Nicht alles beginnt mit einem Ereignis
Manches Erleben lässt sich auch nicht an einem Datum festmachen. Es gibt keinen wirklich klaren Auslöser, kein einzelnes Geschehen. Irgendwann zeigt sich einfach, beispielsweise über den Körper, in Form von Erschöpfung, die nicht mehr weggeht, ganz egal, wie viel man schläft, über innere Unruhe, die einen permanent begleitet oder auch über das Gefühl, sich selbst gar nicht mehr richtig zu spüren, über nicht stoppende Gedankenkarusselle, dass es da irgendetwas gibt, was gesehen werden möchte.
Was ausschlaggebend ist, ist, dass Du diese Signale ernst nimmst und bereit bist hinzuschauen. Darüber hinaus musst Du für meine Arbeit nichts vorbereitet haben. Du musst nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Du musst nichts erklären oder begründen, denn die passenden Worte entstehen oft erst in einem Raum, in dem nichts von einem erwartet wird und in dem sich Dinge zu einem Bild zusammensetzen dürfen, die so vorher noch nie benannt worden sind.
Ordnung entsteht im Gehen
Und deshalb ist es auch ein Irrglaube von vielen Menschen, dass sie zuerst Klarheit haben müssten über das zu bewältigende Problem oder das gewünschte Ziel, bevor sie dann Begleitung in Anspruch nehmen können. In Wirklichkeit entsteht Klarheit oft erst unterwegs. Durch Erzählen, durch Schweigen, durch Nachfragen, durch andere Perspektiven und durch das Wahrnehmen dessen, was sich zeigt. Und auch nicht immer ist der Grund entscheidend. Manchmal ist das gesamte Erleben der Schlüssel. Wenn sich etwas schwer anfühlt, dann darf das ernst genommen werden – auch ohne Erklärung. Das wahre Bedürfnis nach Begleitung entsteht ja nicht aus logischen Überlegungen, sondern aus dem Wunsch nach Halt, Orientierung und Entlastung Deinerseits. Und dann ist jeder Moment der richtige.
Ein Raum für das, was noch keine Form und keinen Namen hat
Ein geschützter Raum ist ein ein Ort für das Unklare, Unfertige und noch Unbenannte. Hier darf etwas sein, ohne schon eine fertige Geschichte zu haben. Hier darf sich etwas entwickeln und wachsen als Weg zum Ziel.
Deshalb darfst Du gerne, wenn Du denkst, Du müsstest erst wissen, was genau Dein Thema ist, bevor Du Dir Begleitung erlaubst, diese Sorge einfach sein lassen. Es reicht, dass Du spürst: So, wie es gerade ist, soll mein Leben nicht sein, so möchte ich alleine nicht weitermachen.
Das ist Grund genug.





[…] Nichts Konkretes und trotzdem Grund genug – Sprachlosigkeit in der Begleitung […]