Grönemeyer

Herbert Grönemeyer wird heute 70 Jahre alt. Ein runder Geburtstag, der einlädt zurückzuschauen – nicht nur auf eine außergewöhnliche musikalische Karriere, sondern auch auf einen sehr persönlichen Abschnitt seines Lebens, der sein Werk bis heute prägt – und der auch ganz persönlich mit meinem Leben etwas zu tun hat.

Denn ein paar seiner bekanntesten Songs, wie „der Weg“ und „Mensch“, sind nicht aus reiner Kreativität entstanden, sondern aus seiner tiefen, ganz persönlichen Trauer.

 

Die Inhalte von diesem Blog

  1. Musik aus dem Inersten einer Ausnahmesituation
  2. Worte, die Trauer nicht erklären, sondern halten
  3. Ein Hymne für Trauernde ohne es zu wollen
  4. Wenn sich jemand traut, darüber zu sprechen
  5. Trauer verschwindet nicht – sie verändert nur ihre Form
  6. Ausdruck als Form von Integration
  7. Lebensnarben und das was bleibt

 

Musik aus dem Innersten einer Ausnahmesituation

Ende der 1990er Jahre verlor Herbert Grönemeyer innerhalb kurzer Zeit zwei der wichtigsten Menschen in seinem Leben: Seine Frau Anna und seinen Bruder Wilhelm.

Zwei Verluste, die kaum Raum zum Atemholen ließen. Zwei Abschiede, die alles erschütterten, was bis dahin in seinem sehr erfolgreichen Leben selbstverständlich war. In dem Moment seines Lebens fühlte sich alles – so hat er es selbst beschrieben – wie ein einziger Stillstand an.

Aus dieser Zeit heraus entstand das Album Mensch. Und mit ihm Songs, die bis heute viele Menschen begleiten – gerade in Momenten von Verlust, Sprachlosigkeit und innerer Erschöpfung. Auch mich, ganz privat, denn zu dieser Zeit ist meine Schwiegermutter völlig unerwartet verstorben und vor allem den Song „Mensch“ hat mein Mann in seiner Trauer in Endlosschleife gehört.

 

Worte, die Trauer nicht erklären, sondern halten

„Mensch“ ist kein Song, der tröstet, indem er irgendeine Form von Lösungen anbietet. Er benennt stattdessen das, was Trauer oft ausmacht, nämlich Überforderung, Verletzlichkeit, Widersprüche und das ständige Schwanken zwischen Nähe und Rückzug

Zeilen wie „Und der Mensch heißt Mensch, weil er erinnert, weil er kämpft und weil er hofft und weil er liebt“ haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben.

Ebenso wie der Song „Mein Weg“. Ein Lied, das für viele Menschen zu einer Art Begleiter in ihrer ganz persönlichen Trauer geworden ist. Es beschreibt ein Gefühl, das viele kennen – aber kaum greifen können. Es beschreibt, dass nichts mehr ist wie vorher, dass das Alte fehlt, dass Orientierung verloren gegangen ist und dass man trotzdem irgendwie weitergeht. Verletzlich, wankend, aber Schritt für Schritt.

Ein zentrales Gefühl daraus lässt sich so zusammenfassen: Der Weg ist nicht mehr derselbe – aber es ist trotzdem Dein Weg, der weitergeht.

 

Eine Hymne für Trauernde ohne es zu wollen

„Mensch“ wurde ein großer kommerzieller Erfolg. Ein Album mit Liedern, die auf Konzerten von Tausenden mitgesungen werden. Zutiefst persönliche Trauersongs wurden zu einem kollektiven Ausdruck von Menschlichkeit.

Viele Trauernde berichten, dass sie sich in diesem Lied gesehen fühlen.

Trauer ist kein gerader Weg

Musik wie diese trifft etwas in uns. Weil sie nicht beschönigt und kein allgemeingültiges und oberflächliches „Es wird schon wieder gut“ vermittelt, sondern weil sie etwas anerkennt, was für uns Menschen bei jeder Form von Verlust wichtig ist, nämlich dass Trauer Raum braucht, dass sie die Zeit braucht, die sie halt braucht und dass sie sich eben nicht einfach auflösen lässt.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum der Song so erfolgreich ist und sich so viele Menschen sich darin wiederfinden. Was Grönemeyer in seiner Musik ausdrückt, ist etwas, was auch die Grundlage meiner Arbeit ist: Trauer eben nicht als klaren Prozess zu verstehen. Sondern anzuerkennen, dass widersprüchlich unberechenbar und oft schwer zu erklären ist.

 

Wenn sich jemand traut, darüber zu sprechen

Und vielleicht ist genau das Besondere an Grönemeyers Musik, denn sie hat Trauer eine ehrliche Stimme gegeben. Unabhängig davon, ob man Grönemeyers Musik hört oder nicht, ist es wichtig festzuhalten, dass er etwas getan hat, was vielen Menschen schwerfällt – er hat seine Trauer nicht versteckt, sondern ihr Raum gegeben.

 

Trauer verschwindet nicht – sie verändert nur ihre Form

Heute ist Herbert Grönemeyer privat wieder glücklich. Er lebt. Er liebt – wie in seinem Song getextet. Er steht auf der Bühne und er singt diesen Song noch immer.

Die Erinnerung an seine Frau und seinen Bruder ist nicht verschwunden. Aber er singt die Songs heute nicht mehr aus der akuten Erschütterung heraus, sondern aus einer integrierten Trauer. Das ist ein entscheidender Unterschied, denn Trauer integrieren heißt eben nicht vergessen. Oft herrscht die Vorstellung, Trauer müsse irgendwann „weg“ sein. Abgeschlossen und Überwunden. Doch genau das ist selten realistisch – und oft auch nicht wünschenswert.

Trauer ist die Kehrseite von Liebe und Erinnerung ist ein Teil davon.

Herbert Grönemeyer zeigt – ohne es erklären zu müssen –, dass es möglich ist, mit Trauer zu leben, wenn man sich ihr stellt und sie eben nicht einfach nur verdrängt und ihr stattdessen einen Platz gibt.

 

Ausdruck als Form von Integration

Nun schreibt nicht jeder Songs. Und nicht jeder findet druckreife Worte dafür oder kann sich künstlerisch ausdrücken. Aber das Prinzip dahinter ist übertragbar: Trauer braucht Ausdruck und sie braucht Beziehung.

Etwas, das sie hält und etwas, das sie in das eigene Leben einwebt, statt sie auszugrenzen.

 

Lebensnarben und das was bleibt

In meiner Arbeit mit LEBENSNARBEN begegne ich vielen Menschen, die glauben, sie müssten ihre Trauer irgendwann loswerden, um wieder „richtig“ leben zu können. Doch eine gesunde Trauerintegration bedeutet eben etwas anderes. Sie bedeutet, dass Erinnerung bleiben darf, ohne ständig von ihr überwältigt zu werden. Ebenso, dass der Schmerz Teil der Geschichte ist und bleibt, aber eben nicht mehr der einzige Erzähler ist. Und manchmal braucht es dazu nur ganz kleine erste Schritte.

Die Songs von Grönemeyer sind ein Beweis dafür, dass sich Trauer verwandeln kann. Und dass Leben und Erinnerung, Gegenwart und Verlust nebeneinander bestehen dürfen.

Wenn Du Dich also vielleicht fragst, ob es möglich ist, mit Deiner eigenen Trauer gut leben zu können, dann schreib mir gerne, denn in meiner Begleitung bei LEBENSNARBEN geht es genau darum: Trauer nicht wegzumachen, sondern ihr einen Platz im Leben zu geben. So, dass Erinnerung bleiben darf –  und das Leben trotzdem weitergeht.

 

„Trauer verschwindet nicht, weil wir sie überwinden.
Sie verändert sich, wenn wir ihr einen Platz geben.
Man muss Trauer nicht wegmachen,
um wieder leben zu dürfen.“

 

Hallo, ich bin Astrid.

Ich bin die, die zuhört. Die fragt. Die mit Dir aushält, was gerade schwer ist, ohne Ratschläge und ohne Urteile.

Trauer und Verluste gehören zum Leben dazu, auch abseits von Tod und Sterben. Ich weiß, wie sehr sie belasten können und wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der Dich ernst nimmt, Deine Gefühle mitträgt und mit Dir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.

Ich kann Dir Deine Trauer nicht abnehmen. Aber ich kann Dir helfen, sie ein kleines Stück leichter tragen zu können. Mit Worten, mit Bildern, mit Impulsen. Damit wieder Raum entsteht in Deinem Leben: Für mehr Lebendigkeit, Leichtigkeit, Freude und neues Vertrauen. 💜

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Astrid von Prondzinski

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